Rückblick auf die Veranstaltungsreihe «Zeitenwende»: Liechtensteins Resilienz auf dem Prüfstand

05.02.2026 - Mitteilung
Das Liechtenstein-Institut blickt auf eine erfolgreiche dreiteilige Vortragsreihe zurück, die sich intensiv mit der Frage einer «Zeitenwende» und deren Konsequenzen für Liechtenstein auseinandergesetzt hat.

Vor dem Hintergrund der vier Forschungsbereiche – Politik, Geschichte, Recht und Volkswirtschaft – wurden die aktuellen geopolitischen Spannungen und ihre Auswirkungen auf Liechtenstein als hochgradig vernetzten Kleinstaat analysiert. Dabei wurde Resilienz nicht als statischer Zustand, sondern als fortlaufender Prozess thematisiert, den es durch strategische Anpassungen in einer zunehmend unsicheren Welt aktiv zu gestalten gilt.

Den Auftakt der Reihe bildete im November 2025 die Perspektive von Wirtschaft und Verwaltung. Experten wie Dr. Martin Gächter (FMA), Dr. Maximilian Rüdisser (LIHK) und Simon Tribelhorn (Bankenverband) diskutierten unter der Moderation von Dr. Andreas Brunhart über die „stürmischen Wellen“, in denen Unternehmen aktuell navigieren. Im Fokus standen hierbei vor allem Handelskonflikte, digitale Transformation und die notwendigen ökonomischen Anpassungsstrategien, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Liechtenstein trotz internationaler Polarisierung nachhaltig zu sichern.

Im zweiten Teil der Reihe rückten die diplomatischen Herausforderungen in den Mittelpunkt. Botschafter Christian Wenaweser, Ständiger Vertreter Liechtensteins bei den Vereinten Nationen, beleuchtete die prekäre Lage des Multilateralismus 80 Jahre nach Gründung der UNO. Er verdeutlichte, dass für Kleinstaaten wie Liechtenstein das Völkerrecht und die UN-Mitgliedschaft essenzielle Garanten der Souveränität sind. In einer Zeit, in der diese Grundsätze offen infrage gestellt werden, gewinne das Thema Sicherheit auch für Liechtenstein einen völlig neuen, dringlichen Stellenwert.

Zum Abschluss der Reihe im Januar 2026 wurden wissenschaftliche und politische Perspektiven, vertreten durch Alt-Regierungschef Dr. Daniel Risch und Prof. Dr. Andreas Peichl vom ifo Institut, zusammengeführt. In den Inputs der Referenten und der anschliessenden Diskussion wurden die strategische Ausrichtung des Landes sowie die Rolle der Wissenschaft als Navigationshilfe und zivilgesellschaftliches Korrektiv debattiert. Die Veranstaltungsreihe machte deutlich, dass die gegenwärtigen geopolitischen und weltwirtschaftlichen Zäsuren Liechtenstein in vielen Dimensionen betreffen. Ob es sich bei diesen tatsächlich um eine «Zeitenwende» handelt, oder ob die aktuellen Verwerfungen zwar aussergewöhnlich, jedoch historisch betrachtet innerhalb einer üblichen Schwankungsbreite politischer und wirtschaftlicher Zäsuren liegen, bleibt eine Frage der Perspektive. Das Liechtenstein-Institut wird diese Entwicklungen auch künftig forschend begleiten, um fundierte Diskussionsgrundlagen für die Bewältigung aktueller Herausforderungen zu liefern.