Verpflichtungsstrukturen in Verhandlungen: Wie gemeinsame Mindestverpflichtungen die Zusammenarbeit bei öffentlichen Gütern verbessern

Vortragsreihe:
Wirtschaftspolitisches Seminar Alpenrhein
Datum:
22. April 2026, 17:30 - 19:00
Ort:
Fachhochschule Graubünden
7000 Chur

Zum Vortrag
Verhandlungen sind ein zentrales politisches Instrument zur Bewältigung von Problemen des kollektiven Handelns wie dem Klimawandel, doch hängt ihre Wirksamkeit entscheidend davon ab, wie die Verpflichtungen gestaltet sind. Wir betrachten die Situation aus einer Personen-Situations-Perspektive, um zu untersuchen, wie unterschiedliche Verhandlungsformen das kooperative Verhalten im Zusammenhang mit öffentlichen Gütern beeinflussen und für wen diese Formen am wirksamsten sind. Wir untersuchen experimentell das Verhandlungsformat vor einem Public-Goods-Spiel, wobei wir individuelle Zusagen mit gemeinsamen Mindestverpflichtungen vergleichen, und bewerten individuelle Unterschiede bei prosozialen Präferenzen.
 

Unsere Ergebnisse zeigen, dass individuelle Verpflichtungen in erster Linie Akteure mit ausgeprägten bedingungslosen prosozialen Präferenzen mobilisieren. Im Gegensatz dazu erweitern gemeinsame Mindestverpflichtungen die Beteiligung an Verhandlungen erheblich, indem sie auch bedingte Kooperatoren anziehen – Akteure, die bereit sind, einen Beitrag zu leisten, wenn Gegenseitigkeit und Schutz vor Ausbeutung institutionell gewährleistet sind. Entsprechend diesem Muster hängen die Verhandlungsergebnisse bei gemeinsamen Mindestverpflichtungen weniger stark von den prosozialen Präferenzen der einzelnen Teilnehmer ab als die Ergebnisse bei individuellen Zusagen.
 

Diese Erkenntnisse verdeutlichen, wie Verhandlungsstrukturen situative Anreize und Risiken verändern und dadurch beeinflussen, wer an Verhandlungen teilnimmt und wie kooperative Ergebnisse zustande kommen. Aus politischer Sicht legen die Ergebnisse nahe, dass institutionelle Regelungen, die einheitliche, kollektiv bindende Mindestverpflichtungen – statt individueller Zusagen – in den Vordergrund stellen, Trittbrettfahrerprobleme mindern und kooperative Vereinbarungen widerstandsfähiger gegenüber unterschiedlichen Präferenzen der Akteure machen können. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Gestaltung internationaler Klimaabkommen und anderer politischer Kontexte, die durch die Bereitstellung öffentlicher Güter und strategische Interdependenz gekennzeichnet sind.


Zur Referentin
Dr. Dorothee Mischkowski ist Marie-Curie-Stipendiatin an der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften am Institut für Psychologie der Universität Leiden (Niederlande)
Niederlande. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf Sozialpsychologie, Wirtschaftspsychologie und Umweltpsychologie, insbesondere auf sozialen Normen und Kooperation in sozialen Dilemmata.  
 

Ort
Fachhochschule Graubünden (Hauptgebäude) (Standort A)
Pulvermühlestr. 57, Chur, Raum A2.02
 

Zum Wirtschaftspolitischen Seminar Alpenrhein
Das Zentrum für wirtschaftspolitische Forschung (ZWF) der Fachhochschule Graubünden, die Universität Liechtenstein und das Liechtenstein-Institut organisieren gemeinsam Seminare zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen. Das Ziel dieser gemeinsamen Anlässe besteht darin, die Diskussion unter wirtschaftspolitisch interessierten Personen über aktuelle wirtschaftspolitische Themen zu fördern und die Vernetzung zwischen diesen Personen in der Region Alpenrhein zu erleichtern.

 

Verantwortlich
Prof. Dr. Andreas Nicklisch, Dozent für Volkswirtschaftslehre und Statistik am Zentrum für wirtschaftspolitische Forschung (ZWF), Fachhochschule Graubünden
PD Dr. Martin Geiger, interimistischer Co-Direktor / Forschungsbeauftragter Volkswirtschaft, Liechtenstein-Institut
Assoz.-Prof. Dr. Sebastian Stöckl, Professur für Financial Economics, Universität Liechtenstein