LI Focus zu den wirtschaftlichen Konsequenzen geopolitischer Verwerfungen erschienen
Liechtensteins Volkswirtschaft ist aussergewöhnlich dynamisch und produktiv und verfügt über Stabilität und Wohlstand: Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf ist das höchste der Welt, die Arbeitslosigkeit ist tief, die Lebenserwartung sowie die in Umfragen gemessene Lebenszufriedenheit sind hoch und die öffentlichen Haushalte sehr solide mit grossen Reserven. Gegenwärtig steht Liechtenstein im Lichte zunehmender geopolitischer Fragmentierung und erhöhter wirtschaftlicher Unsicherheit allerdings wie alle europäischen Volkswirtschaften vor substanziellen Herausforderungen. Dabei ist die sehr kleine und offene Wirtschaft gegenüber globalen Schocks besonders exponiert, es kann ihr aber gleichzeitig eine bemerkenswerte Resilienz attestiert werden.
Die hohe Sensitivität der liechtensteinischen Konjunktur spiegelt sich auch in der aktuellen stürmischen Wetterlage der Weltwirtschaft wider. In einem Forschungsprojekt des Liechtenstein-Instituts und der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein wird gezeigt, dass ein Anstieg geopolitischer Fragmentierung das reale BIP Liechtensteins innerhalb eines Quartals rund dreimal stärker dämpft als in den Nachbarländern. Ähnlich stark fällt Liechtensteins BIP-Reaktion auf ein Hochschnellen wirtschaftspolitischer Unsicherheit aus.
Trotz der starken BIP-Reaktion sind die Einflüsse auf die Arbeitslosigkeit in Liechtenstein im internationalen Vergleich aber sehr limitiert und trotz der aktuellen Belastungen zeigt sich die liechtensteinische Volkswirtschaft bis anhin noch ähnlich robust wie in vergangenen Konjunkturturbulenzen. Die langjährige Erfahrung mit der Exposition gegenüber internationalen Schocks, effiziente staatliche und private Strukturen, eine strategische Spezialisierung auf Nischenprodukte sowie die solide Kapitalisierung vieler Unternehmen bilden starke Resilienzpfeiler. Es wird jedoch entscheidend sein, die Innovationsfähigkeit weiter zu stärken. In einer Welt zunehmender geopolitischer Spannungen wird also besonders für Kleinstaaten offenbar: Resilienz ist kein Zustand, sondern ein Prozess.







