Seit Längerem gibt es Bestrebungen, die makroökonomischen Statistiken Liechtensteins auszubauen, zuletzt verstärkt durch den IWF-Beitritt. Diese Arbeiten sollen in der «Koordinationsgruppe Makroökonomische Statistiken» (KGMS) gebündelt werden, welche aus Mitgliedern des Ministeriums für Präsidiales und Finanzen, des Amts für Statistik, der Finanzmarktaufsicht und des Liechtenstein-Instituts besteht. Die KGMS initiiert und koordiniert dabei die IWF-Empfehlungen zum Statistikausbau, welche Lücken betreffen, welche schon seit längerem identifiziert und in der Statistikkommission der Regierung diskutiert wurden. Die KGMS ist von 2025 bis 2027 aktiv und trifft sich neben der monatlichen Sitzung auch zu methodischen Workshops.
Das Liechtenstein-Institut hat sich seit jeher aktiv für die Weiterentwicklung der Statistiken engagiert und verfügt über ein Alleinstellungsmerkmal hinsichtlich Erfahrung und Kompetenz zu Liechtensteins Volkswirtschaft und den sehr spezifischen Daten, für welche massgeschneiderte Analyse- und Modellmethoden notwendig sind. Die ordentliche Mitarbeit in der KGMS werden als Beitrag des Liechtenstein-Instituts zur Verbesserung der öffentlichen Statistiken verstanden, der auch der eigenen Analysetätigkeit zugutekommt. Dies gilt auch für die am Institut bereits entwickelten Methoden mit direktem Bezug zu den KGMS-Projekten. Es sind aber im Auftrag der Regierung auch Zusatzarbeiten notwendig, welche von Andreas Brunhart, Martin Geiger und Johannes Lehmann durchgeführt und unten vorgestellt werden. Das Liechtenstein-Instituts stellt dem Amt für Statistik Dokumentationen und Programmcodes bereit und es werden gemeinsam Weiterentwicklungen evaluiert. Die Module der «Angewandten Wirtschaftsanalyse» (AWA) stehen dabei nicht in Konkurrenz zu den KGMS-Zusatzprojekten. Im Gegenteil, nur die seit 2020 durch die Regierung finanzierte AWA und die Kontinuität ermöglicht es, dass sich das Liechtenstein-Institut einbringen und spezifische Methodenexpertise zur Verfügung stellen kann.
Gesamtwirtschaftliches Arbeitsvolumen
Derzeit fehlen Zahlen in Liechtenstein, um die volkswirtschaftliche Produktivität gemäss internationalen Standards als Verhältnis von BIP zur geleisteten Arbeitszeit zu berechnen. Zwar liegen Daten zu Beschäftigten und Stellenprozenten vor, jedoch fehlen Angaben zu den tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden (Arbeitszeit in normaler Arbeitswoche plus Ferientage, Überstunden, Absenzen, etc.). Auf Basis der liechtensteinischen Volkszählung, der schweizerischen Arbeitsvolumenstatistik, weiterer Quellen und zusätzlichen Erhebungen soll eine Schätzung des gesamtwirtschaftlichen Arbeitsvolumens in Kooperation des Liechtenstein-Instituts mit dem Amt für Statistik erarbeitet und später jährlich vom Amt für Statistik publiziert werden.
Reales BIP
Die liechtensteinische Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) des Amts für Statistik beinhaltet nur nominale Zahlen, keine realen. In Geld gemessene – sprich nominale – Grössen werden von Mengen- wie auch von Preisänderungen beeinflusst. Weil man in der Konjunktur- und Wachstumsanalyse und Wohlstandsmessung insbesondere am Mengeneffekt interessiert ist, wird in der Regel der Preiseeffekt herausgerechnet, um reale Grössen zu erhalten. Da für Liechtenstein keine eigenen Preisindizes vorliegen, wird dafür üblicherweise auf schweizerische Preisindizes wie den Landesindex für Konsumentenpreise oder den BIP-Deflator zurückgegriffen. Dieses Vorgehen hat seine Berechtigung, allerdings kann durch Neugewichtung der schweizerischen Branchen-Teilindizes eine bessere Anpassung an Liechtensteins Begebenheiten und damit eine adäquatere Berechnung des realen BIP erreicht werden. Das Liechtenstein-Institut hat hierzu bereits eine Methodik erarbeitet und im Financial Stability Report 2024 vorgestellt.
Vierteljährliches BIP
Liechtenstein veröffentlicht im Rahmen der VGR nur jährliche Zahlen, also auch für das BIP. Das Liechtenstein-Institut schätzt bereits BIP-Quartalszahlen auf Basis der eigenen Jahresschätzung (für das gerade abgelaufene Jahr) und jährlichen BIP-Zahlen des Amts für Statistik (vorangegangene Jahre). Es soll geprüft werden, ob das Schätzmodell des Instituts durch interne Daten des Amts für Statistik erweitert und/oder ein direkter Berechnungssatz im Stile der VGR erarbeitet werden kann.
Projektdauer: 2025–2027