Abstract
Diese Studie analysiert den Zusammenhang zwischen dem Einsatz von HR-Analytics und der Zuweisung von Entscheidungskompetenzen in Schweizer Organisationen. Aus theoretischer Perspektive ist die Richtung dieses Zusammenhangs unklar, da gleichzeitig gegenläufige Kräfte wirken. Einerseits kann HR-Analytics lokale Informationsvorteile reduzieren oder sogar ganze Entscheidungsprozesse übernehmen und damit als zentralisierende Kraft wirken. Andererseits kann der Einsatz von HR-Analytics zusätzliche lokale Informationen generieren und das Hidden-Action-Problem abschwächen, was zu einer Dezentralisierung von Entscheidungsprozessen führt. Die empirischen Ergebnisse sprechen für eine dezentralisierende Wirkung von HR-Analytics. Konkret sind sowohl ein übergeordneter Index von Entscheidungskompetenzen als auch spezifisch operative und strategische Entscheidungskompetenzen in Organisationen, die HR-Analytics einsetzen, stärker dezentralisiert. Diese Befunde deuten darauf hin, dass Schweizer Organisationen den Einsatz von HR-Analytics derzeit mit einer Stärkung der Entscheidungskompetenzen der Mitarbeitenden verbinden und es nicht zur Schaffung eines dystopischen Arbeitsumfelds nutzen, wie dies von Vertretern des digitalen Taylorismus befürchtet wird.