BIP-Schätzung für 2025: Konjunkturabkühlung mit deutlichem BIP-Rückgang

31.03.2026 - Neue Publikation
Liechtensteins Wirtschaftsleistung gemessen am realen Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im von US-Zöllen geprägten Jahr 2025 rückläufig und konnte damit die überraschend positive Tendenz der beiden Vorjahre nicht fortsetzen. Gemäss Schätzungsmodell des Liechtenstein-Instituts beläuft sich das nominale BIP 2025 auf rund 7’641 Mio. CHF. Ausgehend vom nominalen BIP 2024 der vom Amt für Statistik veröffentlichten Schätzrechnung ergibt sich im Schätzungsmodell für 2025 ein nominales BIP-Wachstum von ungefähr −3%. Wegen der tiefen Inflation liegt die reale BIP-Wachstumsrate 2025 nur leicht tiefer und gerundet ebenfalls bei −3%.

Die BIP-Schätzung 2025 wird mit einem statistischen Modell generiert und ist mit einer substantiellen Schätzunsicherheit verbunden: einerseits aufgrund der hohen konjunkturellen Volatilität der letzten Jahre und andererseits durch die in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung noch zu erfolgenden Revisionen der amtlichen BIP-Schätzrechnung 2024, welche in der Vergangenheit teils beträchtlich ausfielen.

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) stellt eine zentrale Grösse für verschiedene volkswirtschaftliche Analysen und Einschätzungen dar. Das BIP weist bezüglich der langfristigen Wohlfahrtsbetrachtung zwar Limitationen auf und sollte in der diesbezüglichen Bewertung auch durch andere Indikatoren ergänzt werden. Das BIP sowie andere Kennzahlen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) sind jedoch zentral in der wirtschaftspolitischen Analyse als historisch etablierte und international vergleichbare Konzepte und für die Produktivitäts- und Konjunkturbetrachtung unverzichtbar.

Zur Verbesserung der Datenlage erstellt das Liechtenstein-Institut jährlich eine BIP-Schätzung, welche fast ein Jahr vor der Veröffentlichung der BIP-Schätzrechnung des Amtes für Statistik bereits einen ersten Wert für das Jahres-BIP des gerade abgelaufenen Jahres liefert. Das BIP-Schätzungsmodell verwendet ein zeitreihenanalytisches Modell welches nationale und internationale Konjunkturdaten beinhaltet, die eine hohe Korrelation mit dem liechtensteinischen BIP aufweisen und bereits sehr früh vorliegen. Da die verwendeten Konjunkturindikatoren in unterjähriger Frequenz publiziert werden, schätzt das Modell auch BIP-Quartalsdaten (bis 1998 zurück) und liefert damit eine weitere wichtige Ergänzung zur amtlichen VGR, welche nur Jahreswerte ausweist. Für die Konjunktur- und Wachstumsanalyse ist das reale (preisbereinigte) BIP relevanter als das amtlich publizierte nominale. Dementsprechend basieren die Berechnungen und die Modellkalibrierung des Liechtenstein-Instituts auf realen Daten. Um jedoch die Vergleichbarkeit mit den vom Amt für Statistik publizierten Daten zu gewährleisten, werden daraus zusätzlich nominale Werte abgeleitet und ausgewiesen.

Wegen der sehr hohen volkswirtschaftlichen Volatilität Liechtensteins, der dünnen Datenbasis und teils starker Revisionen bereits publizierter amtlicher Zahlen ist die BIP-Schätzung als erste Approximation zu interpretieren. Die BIP-Schätzung ist ein Modul der «Angewandten Wirtschaftsanalyse», welche durch die Regierung des Fürstentums Liechtenstein gefördert wird. Sie erschien zum ersten Mal 2021 und wird seither jährlich Ende März publiziert.